AOP Malpère – die große (kleine) Unbekannte

Le Jardin de Malpère AOP 2017 – Anne de Joyeuse

Ja was denn nun? Große oder kleine Unbekannte? Wenn’s um den Bekanntheitsgrad geht, würde ich sagen: groß. Eher riesengroß. Oder wer unter Ihnen kennt diese Appellation mit gerade einmal 600 Hektar Anbaufläche, gelegen im Südwesten Frankreichs? Und damit wären wir auch schon beim Thema ‘klein’. 600 Hektar ist nicht wirklich groß. So groß bzw. klein ist die bestockte Rebfläche. Auf der Webseite ‘Vignobles Occitanie’ werden mir ganze fünf Produzenten angezeigt. Über gängige Suchmaschinen kann man sich zudem  ‘waidwund’ suchen, um diese Weine in Deutschland zu finden.

Warum dann dieser Aufwand? Klare Antwort: weil’s echt lecker ist! Und der Preis von € 7,90 schmeckt auch!

Malepère – woher kommt der Name?
Wer jetzt spontan an ‘schlechter Vater’ (male = schlecht und père = Vater) denkt, liegt leider knapp daneben. Das ‘Père’ ist aus dem Okzitanischen Dialekt ‘Peyre’ abgeleitet und bedeutet ‘Stein’. Zum Einen deutet dies auf den extrem harten Fels hin, der hier im südwestlichen Teil des Anbaugebietes Languedoc Roussilion den Landwirten und Weinbauern alles abverlangt. Andererseits scheint aber ein ehemaliger Steinbruch der realistischere Bezug zu sein: hier wurde poröser Sandstein abgebaut, der im Bauwesen eher nicht überzeugte. Viele Gebäude und Bauwerke mussten über die Jahre immer wieder geflickt werden, weil der Stein weg bröselte. Dass kennen wir Rheinland ja zur Genüge von der Dauerbaustelle ‘Kölner Dom’. Schlechter Stein halt, der Sandstein…

Was macht diese kleine Appelation so besonders?

Die Weinberge liegen an den Ausläufern der Pyrenäen. Zwar ist das Mittelmeer und damit der mediterrane Einfluss fast in Sichtweite. Doch es gibt zum Glück auch die kühlenden Einflüsse aus dem Nordwesten: die Weinberge befinden sich in nördlicher Ausrichtung, kalte Luft aus dem Nordwesten kann nahezu ungeschützt einströmen. Vor der Klimaerwärmung war dies u.U. kein so großer Vorteil – aktuell hingegen profitieren die Weinberge von diesem ‘cool climate’ Faktor.

Merlot und Cabernet – recht ungewöhnlich, oder?

Ich gebe zu: im Südwesten Frankreichs, da erwartet man Syrah, Grenache, Cinsault. Hingegen Merlot und Cabernet – das ist doch eher etwas für Bordeaux, oder? In der Tat mutet es etwas seltsam an, dass laut AOP Diszipliar mindestens 40% Merlot enthalten sein muss, sowie mindestens 20% Cabernet Franc. Ergänzend dürfen bspw. noch Cabernet Sauvignon, Malbec, Cinsault und Grenache verwendet werden. Syrah hingegen ist als Rebsorte nicht vorgesehen!
Möglicherweise sind es die historischen Transportwege über den Canal du Midi und die damit verbundene logistische Nähe zum Anbaugebiet Bordeaux, die zur Verbreitung der bordelaiser Rebsorten im Südwesten beitrugen. Die Reblauskatastrophe Mitte der 19. Jhd sowie die kalten, teilweise frostgeschädigten Jahrgänge am Atlantik bis weit ins letzte Jahrtausend hinein: der Bedarf nach gesundem Fasswein aus dem Süden war sicherlich mehr als vorhanden.

Der Wein: ‘Le Jardin de Malpère’ AOP 2017 – Anne de Joyeuse

Persönlich bin ich kein großer Merlot oder Cabernet Fan. Aber hier war ich komplett machtlos, der Wein ist einfach nur rund, saftig, ausgewogen, lecker, elegant. Kein großer Bordeaux, nein, dieser Wein wurde lediglich im Edelstahltank ausgebaut. Und dann durfte er reifen. Da sind keine bitteren oder spröde Tannine unterwegs, da muss nicht großartig gelüftet werden. Da sind auch keine grünen Noten nach grüner Paprika oder gar Efeu am Start. Auch eine überdimensionierte Cassis-Note ist nicht zu befürchten. Etwas Johannisbeere, schöne Kirschfrucht, sehr viel Saftigkeit im Mund. Und da das Tannin schön mürbe ist und nicht ‘bittert’, gehe ich vollkommen d’ accord mit der Empfehlung auf dem Etikett, diesen Wein bei 14-16°, also leicht gekühlt zu trinken.
Für mich ein wirklich toller Wein – denn wo findet man denn bitte noch ‘Basis-Weine’, die 4 oder 5 Jahre reifen durften? Und zudem nicht durch alte Fässer gequält wurde, um ihm einen ‘Hauch von grosser weiter Weinwelt’ zu verleihen. Oder gar mit Eichenchips auf ‘Vanille’ zu trimmen.
Nein, dieser Wein ist grundehrlich. Wahrscheinlich wird er zu 98% in den Restaurants der Umgebung ausgeschenkt und konsumiert. Bei 600 Hektar Anbaufläche erschliesst man sich keine ‘Exportmärkte’ und imitiert irgendwelche modischen Weinstile. Nein, dieser Wein ist authentisch, gut, bodenständig, preiswert, gesellig, lecker – und damit fast schon wieder ein kleines Juwel!

 

 

Le Jardin de Malpère AOP 2017- Anne de Joyeuse

7,90 

Enthält 19% MwSt.
(10,53  / 1 L)Alk. 13,5 % vol
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Trauben: Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon |  Ausbau: Edelstahltank

Anne de Joyeuse | 34 Promenade du Tivoli | 11303 LIMOUX | Frankreich

24 vorrätig

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Beschreibung

Großer kleiner Wein aus dem Südwesten Frankreichs, in der Region Languedoc!

Nur knapp 600 Hektar sind in dieser kleinen Appellation am Ausläufer der Pyrenäen mit Wein bestockt. Interessanterweise sind es hier nicht die für die Region üblichen Verdächtigen wie Syrah, Grenache oder Cinsault. Nein, mindestens 40% Merlot sind vorgeschrieben, Cabernet Franc muss auch mind. 20% beisteuern. Und dennoch ist hier sensorisch kein typischer ‘Bordeaux-Blend’ am Start. Der Wein reift nur im Edelstahltank und auf der Flasche, und kommt erst mit wunderbar gereiften Gerbstoffen auf den Markt. Das ist rund, saftig, ausgewogen, nicht überfordernd – sondern einfach nur lecker! Schön, dass es so etwas noch gibt! Darf gerne leicht gekühlt bei ca. 14-16° Cel. getrunken werden!

 

Produkt enthält SULFITE – Abgabe an Personen ab 18 Jahre (Jugendschutz)

Zusätzliche Informationen

Gewicht 1 kg

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