Wenn der Müller den Müller macht: Müller Thurgau ‚Gut von Beiden‘

Im Jahre 2019 feierte die Rebsorte Müller-Thurgau seit 50 Jahren in die deutsche Rebsortenliste eingetragen zu sein. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts ‚experimentierte‘ der  schweizer  Botaniker und Rebenzüchter Hermann Müller an der Forschungsanstalt in Geisenheim/ Rheingau  mit verschiedenen Neuzüchtungen. Bis weit in die 1990er Jahre galt der ‚Müller‘ als eine Züchtung aus Riesling und Sylvaner (daher auch das häufig verwendete Synonym ‚Rivaner‘). Erst neue genetische Analysemethoden brachten Licht in das Züchtungsdunkel: Riesling und Madeleine Royale (eine Gutedel-Spielart) sind die Eltern. Namensgebend für die Rebsorte waren neben dem Namen des Züchters (Müller) seine Herkunft aus dem schweizerischen Kanton Thurgau.
Vom einen Müller (Hermann, der Züchter) nun zum anderen Müller (Philipp, der Winzer):
Philipp Müller als verantwortlicher Önologe im Weingut ‚Gut von Beiden‘ hat an den Rebsorte nicht nur aufgrund des Namens seine wahre Freude. Rund um das südpfälzische Kleinfischlingen gedeiht die einst geschmähte Rebsorte prächtig und scheint zudem ausserordentlich gut mit den wärmeren Jahrgangsverläufen zurecht zu kommen. Philipp baut den Wein nicht komplett trocken aus, was somit auch zu gemäßigten Alkoholgehalten um die 11% Vol. führt. In warmen Jahrgängen bekommt der ‚Müller‘ aber auch leicht ‚grünliche‘ Aromen, wie wir sie eher von Sauvignon Blanc oder der deutschen Scheurebe her kennen. Das puffert wunderbar die Frucht und Fruchtsüße. Ein wunderbar süffiger Wein mit den feinen Charakterzügen eines Rieslings, aber ungleich weicher und trinkiger. Kein Wunder, dass dieser Wein in die Literflasche muss: jeder Schluck weniger wäre Folter. Und mit 6,90 die Flasche ist der Wein für die gebotene Qualität fast schon zu billig (umgerechnet auf eine 0,75er Flasche sind das gerade mal EUR 5,17!!!)

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