Spanien: Sind wir nicht Alle ein wenig ‘Rioja’?

Ich bin ehrlich: lange Zeit hatte ich nicht wirklich Zugang zu Weinen aus der spanischen Weinbauregion Rioja. Traumatische Kindheitserinnerungen an vollkommen überholzte Wein, die geschmacklich zwischen einer Kleiderschrank-Rückwand und hoffnungslos überlagertem Altwein lagen. Sicher: ich hatte zweifelsohne noch nicht DEN richtigen Rioja gefunden – oder aber die Stilistik hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten zum Positiven gewandelt.

Die ersten ‘Aha’-Erlebnisse traten mit Weinen von Compania Vinicola del Norte de Espana (kurz CVNE) ein, ein historischer Betrieb der mit umfangreichen Investitionen im Jahr 2004 die Weichen in Richtung Moderne gestellt hat. Wobei ‘Moderne’ nicht zwangsläufig bedeutet den historischen Stil zu verleugnen, sondern bspw. durch bessere Fässer auch mehr Sauberkeit in die Stilistik zu bringen.

Mit 60000 Hektar Anbaufläche im Nordwesten Spanien ist Rioja sicherlich die Anbauregion Spaniens mit dem größten Bekanntheitsgrad. Entlang des Flusses Ebro sind die Böden sehr kalkhaltig und oft auch von roter Lehmstruktur (ein Hinweis auf eisenhaltige Komponenten). Es ist trocken, die Reben werden daher in der klassischen Buschform erzogen um sie vor zu starrker Sonnenexposition zu schützen
Im Rioja ist die Rebsorte Tempranillo dominierernd, wird jedoch bei den roten Sorten durch Mazuelo, Garnacha und Graciano ergänzt. Bei den weissen Sorten gibt Viura (gleich Macabeo) deutlich den Ton an, ergänzt um die weisse Garnacha und Malvasia.

Nachdem CVNE mit seinem ‘Vina Real’ einen Ausflug in die Weinregale von Aldi versucht hat, war dieser Wein natürlich für den Fachhandel ‘verbrannt’. Nun steht der Wein weder bei Aldi noch im Fachhandel, so dass die Aktion für die Bodega ein ziemliches Eigentor war. Vermute ich.
Bei der Suche nach einem Ersatz bin ich dann bereits vor Jahren über die Bodegas LAN gestolpert. Meine Güte, was für ein Statement! LAN verfügt mit dem 70 Hektar großen Weinberg ‘Lanciano’ über eine Parade-Lage, kauft aber auch Trauben hinzu. Was aber LAN so unvergleichlich macht, ist das Händchen für’s Holz. Hier kommen Eichenhölzer aus Frankreich, Amerika, Ungarn, Russland usw. zum Einsatz. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft, ihrer unterschiedlichen Geschwindigkeit im Wachstum etc. geben die jeweilgen Hölzer unterschiedliche Aromen an den Wein ab. Bei LAN ist man derart ‘verrückt’, dass bspw. ‘Hybrid’-Fässer verwendet werden, wo bspw. die Dauben aus französischer Eiche sind, Boden und Deckel hingegen aus Missouri oder Ohio oder dem Kaukasus kommen. Verrückt.
LAN-Weine kommen erst nach vielen Jahren der Reife auf den Markt und sind schlichtweg eine Wucht. Dicht, samtig, komplex, vielschichtig und trotzdem trinkig – für mich ein absoluter Genuss! Und der Genuss brennt mitnichten ein Loch in’s Portemonnaie: Nimmt man bspw. die Gran Reserva, die mit aktuellem Jahrgang fast 10 Jahre auf dem Buckel hat, betrachtet den Preis ‘unter 20 Euro die Flasche’, dann ist das Preis-Leistungs-Verhältnis in meinen Augen konkurrenzlos. Und hier sprechen wir bereits über die ‘Gran Reserva’, die Reserva ist schon ein Genuss, und auch die ‘kleine’ Crianza ist weit davon entfernt ein Fehlkauf zu sein…

Angefixt durch LAN ging es dann weiter mit Rioja. Plötzlich stolperte ich über einen Rosé – von dem ich niemals gedacht hätte, dass dies eine Kompetenz im Rioja sein könnte…
Real Agrado, bzw korrekt: ‘Real Agrado – Viñedos de Alfaro’ liegt etwas weiter flussabwärts den Ebro hinunter Richtung Zaragoza. Hier werden nur die eigenen Trauben von rud 100 Hektar Fläche verarbeitet – und auch diese Stilitisk ist definitiv den ein-oder-anderen Schluck wert. Blitzsauber, etwas mehr auf Fruchtigkeit denn auf Holzwürze getrimmt, machen auch diese Weine unfassbar viel Spass. Und auch hier wieder: Preise, die nicht weh tuen.
Der eingangs erwähnte Rosado aus Garnacha und Viura versteckt die 14% Alkohol dermassen elegant, dass es die Sprache verschlägt. Und dafür werden dann € 7,50 aufgerufen…
Hört sich das komplett nach einem Appell an in’s Rioja einzutauchen? Why not – selbst die Roten sind im Sommer leicht gekühlt(14°) immer ein jauchzender Quell der Glückseligkeit. Oder so ähnlich…

Aktuell verfügbar:

Real Agrado

Rioja Blanco D.O. 2020 (Viura | Edelstahl) | € 7,50

Rioja Rosado D.O. 2020 (Garnacha/ Viura | Edelstahl) | € 7,50

Rioja Tinto D.O. 2019 (Garnacha 80%/ Tempranillo 20% | nur Edelstahl! | € 7,50

Rioja Crianza D.O. 2017 (Garnacha 50% / Tempranillo 50% | 14 Monate Amerikanische Eiche | € 8,90
(auch lieferbar als Magnum in der Holz-Kassette: € 20,00)

Rioja Reserva D.O. 2012 (Tempranillo 60%/ Garnacha 30%/ Graciano/ 5%/Mazuelo 5% | 18 Monate Barrique, je zu 50% in amerikanischer Eiche / französischer Eiche) | € 12,90

Bodegas LAN

Rioja Reserva D.O. 2014 (Tempranillo 92%/ Mazuelo 8% | 18 Monate Ausbau in Hybrid-Barriques) | € 12,90

Rioja Gran Reserva D.O. 2011 (Tempranillo 94%/ Mazuelo 6% | 24 Monate Ausbau in unterschiedlichen Barrique-Fässern | € 17,90

Rioja ‘Vina Lanciano’ Reserva D.O 2015 (Tempranillo 90%/ Graciano 8%/ Mazuelo 2% | 14 Monate Ausbau in Barrique-Fässern aus Troncais, 8 Monate in Barrique-Fächern aus Kaukasus-Eiche | € 17,90

 

 

 

 

Vorheriger Beitrag
Ahr-Flut: Unterstützung für das Weinhaus St. Nepomuk in Rech
Nächster Beitrag
Flut an der Ahr: Nepomuk-Pakete sind abholbereit
Menü