‚Pet Nat Rosé von den Frères Carod

Pet Nat – der geschundene Name

‚Pet Nat‘ – oder korrekt ausgeschrieben ‚Pétillant Naturel‘ ist de facto die älteste und ursprünglichste Methode der Schaumweinerzeugung. Der Wein gärt hierbei komplett auf der Flasche, eine 2. Gärung wie bspw. beim Sekt/ Champagner/Crémant findet nicht. In Frankreich wird diese antike Methode auch ‚Methode rural‘ oder ‚Methode ancestral‘ genannt. Soweit, so gut. Wäre da nicht die seit einigen Jahren grassierende ‚Pet-Nat‘ Hysterie, wo dieses Getränk zum absoluten Hipster-Getränk erkoren wurde. Hiermit verbunden der Alleinstellungsanspruch, dass ein Pet Nat a) furztrocken sein muss, b) ohne Schwefel gefüllt und c) naturtrüb sein muss.

Pet Nat – das gab’s schon immer!

Viele langjährige Hersteller fühlen sich von diesen Alleinstellungsansprüchen geradezu überrollt. So auch die Frères Carod aus dem Ort Vercheny südöstlich der südfranzösischen Stadt Valence. Vercheny liegt im Arrondissement Die – und genau hier in dieser Region wird der berühmte ‚Clairette de Die‘ hergestellt. Und dies ist ein Schaumwein, der nach der ‚méthode dioise ancestrale‘ hergestellt werden muss. Hierbei wird der halbvergorene Most gekühlt auf Flaschen gefüllt und muss dort ca. 4 Monate weiter gären. Und ja, der Wein wird sogar leicht filtriert damit er nicht naturtrüb wie ein Froschteich daher kommt. Hauptbestandteil ist die Rebsorte Muscat (wie bspw. beim Clairette de Die vorgeschrieben) – und so haben wie bei diesem ‚Pet Nat‘ auch die volle Dröhnung von floralen und fruchtigen Aromen. Die geringen 8,5% Alkohol sind bereits ein wichtiger Hinweis: dieser ‚Perler‘ ist nicht komplett trocken. Die feine Kohlensäure puffert jedoch grandios. Für mich ein absoluter Traum für heisse Sommertage, gerne zu Obstsalat oder Obstkuchen.

Kein Clairette-de-Die!

Bei Carod legt man Wert darauf, dass dieser Rosé kein Clairette-de-Die ist. Wohl wird die Technik der Herstellung adaptiert, aber man erlaubt sich den Freiraum für Experimente. Weniger Süße als beim Clairette-de-Die. Weniger Druck bei der Kohlensäure. Die Verwendung von Rebsorten, die im Clairette oder im Crémant-de-Die nicht zulässig wären. Im konkreten Fall: die rote Sprte ‚Gamay‘, welche wir aus der Herstellung von Beaujolais kennen. Diese rote Sorte wird im vorliegenden Fall in Rosé vinifiziert und verleiht dezente Aromen von Himbeere, verleiht Würze und Struktur. Mir gefällt, dass dieser perlende Rosé so wunderbar blitzsauber ist und sich von den angeblich ’so handwerklichen Pet Nat‘ der Hipster-Szene abhebt. Diese sind für mich häufig grenzwertig und nicht selten aromatisch fehlerhaft – und das zu Preisen von um die € 20,00 je Flasche. Nicht mein Ding…

‚Pet Nat Rosé‘ Freres Carod (Vecherny) – € 10,90 je 750ml Flasche

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