Napoli: Amore infinito am Fusse des Vesuv

Storytelling aus einer Zeit, wo der Hype noch analog war:

Am 5. Juli 1984 wurde Diego Armando Maradona offiziell als Neuzugang der SSC Neapel vorgestellt. An diesem Tag kamen 80.000 Fans ins Stadio San Paolo im Ortsteil Fuorigrotta.

‚Napule è na carta sporca‘ – Napoli ist schmutzig, Abfall, so heisst es in dem Lied von Pino Daniele aus dem Jahre 1977.

Mit und unter Maradona wurde das zuvor mittelmäßige Napoli italienischer Meister 1987 und 1990. Uefa-Pokalsieger. Pokalsieger.

Napoli, vielmehr seine Einwohnenden fühlten sich nicht mehr länger schmutzig oder nicht beachtet. Dank eines Argentiniers, der mehr als nur ein Fussballstar war. Er lebte und liebte Neapel, was ihm bekanntermaßen nicht nur gut tat: Koks, Doping, gewisse Kontakte, Steuerdelikte…

Im Jahre 2005 kehrte Maradona erstmalig nach Napoli zurück. Anlass war das Abschiedsspiel seines ehemaligen Teamkollegen Ciro Ferrara. Bereits auf dem Flughafen warteten Tausende von Fans, die Fahrt zu seinem Hotel dauerte aufgrund der Menschenmassen Stunden. Das Abschiedsspiel begann mit erheblicher Verspätung, da der verletzte Maradona bereits vor dem Anpfiff eine Ehrenrunde drehte. Die nicht enden wollte.

Der Schutzheilige der Stadt Neapel ist der Heilige Gennaro. Nahezu jedes Auto in-und-um Neapel hat zum Schutze vor Allem einen Aufkleber des San Gennaro auf der Windschutzscheibe. Seit 1985 muss sich Gennaro seine Popularität teilen. Unzählige Wandbilder und Devotionalien von Maradona mit der legendären No. 10 zieren die Gassen der Altstadt. Der Papst, der Heilige Gennaro und Diego Maradona teilen sich seit 40 Jahren die Auslageflächen der Souvenirshops.

Am Mittwoch 13. Mai 2026 führt die 6. Etappe des renommierten Radrennens ‚Giro d’Italia‘ nach Neapel. Es gibt hierzu ein offizielles Rad-Trikot. Mit der Rückennummer eines Fussballers!

Die Ablösesumme 1985 betrug für damalige Verhältnisse unfassbare 13,4 Mio Dollar. Allein der wirtschaftliche return-on-invest, den diese Summer bis heute eingebracht hat, ist nicht annäherund zu beziffern. Das berühmte Wandgemälde von Mario Filardi im Ortsteil Spagnoli besuchten 2023 knapp 6 Millionen Touristen. Nur das Kolosseum in Rom verzeichnete mit 12 Mio. Besuchenden mehr Besucher in der Kategore ‚Kunst‘.
Der Hype um Maradona verhalf der Stadt das negative Mafia-Image zu überwinden. Im Jahre 2024 wurde 15 Mio. Touristen vermeldet (plus 15% zum Vorjahr). Tendenz: weiter steigend. Einheimische melden Überfüllung in Gassen wie Spaccanapoli, blockierte Rettungswege und Wohnungsnot durch 15.000+ Airbnb-Angebote. Bürgerverbände fordern Besucherlimits oder auch Eintrittsgebühren. 

Am 25. November 2020 verstarb Maradona. Am 4. Dezember beschloss die Stadt die Umbenennung des Stadions von San Paolo in Stadio Diego Armando Maradona. Im katholischen Süden wohlgemerkt. Napoli und Maradona – un amore infinito, eine Liebe die nie aufhört.

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