Alles im Eimer – die Weinlese 2025

Zugegeben: eine etwas reisserische Überschrift ;-) Und dennoch entspricht sie der Realität. Noch ist in der Ertrag in meinem Weinberg nicht so hoch, dass sich größere Gerätschaften lohnen. Von den 20 Rebstöcken (pilzwiderstandsfähige Sorten = PIWI) fühlt sich nicht jede Sorte an dem Standort wohl. Die Reben sind zudem auch noch zu jung um massig zu tragen; ich dünne daher auch regelmäßig aus. Ein Teil der Beeren scheinen auch Vögeln und Wildtieren zu schmecken. Von daher: es reicht der Eimer zum Maischen. Gepresst wird mit einer Saftpresse, wobei der Tresterkuchen 3-fach gepresst wird. Das reicht mir vollkommen.
Muscaris und Solaris sind topp!
Bei den Rebsorten zeigt sich, dass die Aromensorten Muscaris & Solaris sehr viel Freude bereiten: sie reifen aus, bilden Aromen, die Traubenkerne werden weich, das Fruchtfleisch lässt sich prima pressen. Da ich nur wenige Liter zu pressen haben, wird komplett nur Federweisser produziert. Filtriert nur ganz grob über ein feines Sieb. Der Most ist hocharomatisch, sehr feine Bitterstoffe und gute Säure. Abgefüllt in Plastikflaschen mit losem Deckel, kommt der Most bei mir in den Kühlschrank und darf ganz langsam gären. Der Alkohol ist hierbei komplett nebensächlich, wichtig ist mir, dass keine Essigbakterien denken sie könnten hier zuschlagen…
Klimawandel: eine ständige Herausforderung
Vorweg: erst das gemäßigte Klima macht es mir überhaupt möglich am ‚Geistinger Klosterberg‘ Weinreben zu kultivieren. Doch bringt der Klimawandel auch stete Herausforderungen. Dieses Jahr war übrigens das erste Jahr ohne Frostschäden! Der Sommer gemäßigt, der Regen kam zur rechten Zeit. Und trotzdem neigten die Reben wieder zu einem Nährstoffmangel: die sog Chlorose zeigt sich durch gelbe Verfärbungen der Blätter mit grünen Adern. Hier ist eine Magnesium-Gabe hilfreich, jedoch auch wohl dosiert da sonst das Blattwachstum geradezu explodiert.
Der echte und der falsche Mehltau ist trotz angezüchteter ‚Pilzwiderstandsfähigkeit‘ auch ein Thema. Da ich biologisch wirtschafte, nutze ich Magnesium-Sulfat oder auch Urgesteinsmehl zum Spritzen bzw. zur Pflanzenstärkung
Diabas Urgesteinsmehl
Erstmalig habe ich in diesem Jahr Urgesteinsmehl gespritzt. Hintergrund war den Insektenfrass zu verringern. Ich darf sagen: es funktioniert! Ich habe Reben und Apfelbäume gespritzt – und war zunächst schockiert darüber, wie hartnäckig das ‚Mehl‘ auf Blattwerk und Früchten haftete. Selbst mehrmalige Regenschauern ließen die ‚mehlige Schicht‘ nicht abwaschen. Im Grunde positiv, so dass ich nur einmal spritzen musste. Wespen & Co. waren ’not amused‘: sie scheinen die rauhe, mehlige Oberfläche überhaupt nicht zu mögen. Sowohl bei Apfel, Birne wie auch im Weinberg konnte ich so den Wespenfrass stoppen.
Vespa Velutina – so ein Mist!
Bei der Weinlese war dann doch ein Insekt anzutreffen, welches ich eigentlich nicht sehen wollte: Vespa Velutina, die Asiatische Hornisse. Sicherlich haben Sie bereits Berichte im Fernsehen oder den Lokalzeitungen verfolgt, die über gewaltige Nester dieser invasiven Hornissenart berichten. Als Einzelinsekt recht unauffällig, nicht größer als unsere heimischen Wespen. Auch nicht besonders aggressiv. Problematisch sind jedoch die riesigen Nester und die massive Angriffslust, sobald irgendeine Gefahr für das Nest droht. Die schiere Zahl der Insekten bedeutet hier leider: Lebensgefahr!
Sichtungen von Einzeltieren und Nestern sind meldepflichtig. In NRW macht man dies bspw.über das LANUK (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Klima). Warum melden? Vespa Velutina ist eine invasive Art, die unsere heimischen Honig- und Wildbienen auf dem Speisezettel hat. Die Größe der Nester sowie die Anzahl der Brut lässt die Hornissenpopulation explosionsartig ansteigen. Man vermutet, dass sich die Hornisse mit jeder Population um 50 weitere Kilometer verbreitet. Bei uns im Rhein-Sieg-Kreis und in der Stadt Bonn war im Jahr 2024 und 2025 zunächst der linksrheinische Teil betroffen. 2024 noch vereinzelt, 2025 bereits mit mächtigen Populationen.
Hier ein Bericht des Südwestfunk zur Ausbreitung in Baden-Württemberg (im Raum Karlsruhe wurde 2014 der erste deutsche Fund registriert).


