Thema Versand – Preisanpassungen

Nicht schon wieder Preiserhöhungen… Doch – und ich finde diese sogar berechtigt.

Lange Zeit hat der Online-Handel von eigentlich zu günstigen Versandpreisen profitiert. Auch die Paketdienstleister wollten um jeden Preis wachsen und lieferten sich einen harten Wettbewerb. Davon profitiert hat auch meine Branche, die Weinbranche. Vielleicht haben auch Sie schon einmal ein Paket mit 18 Flaschen Wein erhalten? Wie schätzen Sie das Gewicht ein? Ich sage es Ihnen: wir liegen bei 30-31 Kilo. Welche der Paketfahrende nicht ‘an der Bordsteinkante’ übergibt, sondern eventuell in den dritten oder vierten Stock verbringen muss. Oder nennen wir es besser ‘schleppen’. Aufgrund des grassierenden Fahrermangels und auch auf politischen Druck hat man hier endlich etwas im Sinne des Mitarbeitendenschutz getan: wiegen Pakete über 20 Kilo wird es (zu Recht!) richtig teuer. Daher beschränken die meisten Paketdienstleister seit Anfang Januar 2024 auf max. 20 Kilo je versendetem Paket.

Die Paketwagen sind voll – schwere Pakete belasten nur…

Aufgrund des allgemein großen Versandvolumens, gerade auch an kleinen Päckchen und Paketen, ist das ‘grosse Weinpaket’ nicht mehr das, wonach sich jeder Transporteur die Finger leckt. Zu groß, zu schwer, zu teuer (Maut, Co2 Abgabe, Betriebsstoffe), zu unrentabel. Einige Paketdienstleister haben sich bereits offiziell aus dem Weinversand andere ‘inoffiziell’ dergestalt, dass sie a) entweder gar nicht erst anbieten oder b) die AGB derart stringent sind und/oder c) die Preise derart abschreckend hoch sind, damit bloss Niemand mehr bucht.

Was kostet eigentlich so ein Paketversand für Weinflaschen?

Ich weiss noch, dass ich mit € 3,90 netto je Paket bis 31,5 Kilo innerhalb Deutschland gestartet bin. Aktuell liegen wir bei ca. 6-7 Euro netto bis max. 20 Kilo. Hinzu kommen dann die obligatorischen ‘PTZ-Kartonagen’, also die speziell verstärkten und zertifizierten Versandkartonagen. Je nach Bestellmenge liegen wir hier bei einem Einkaufspreis zwischen 4 und 5 Euro netto je Kartonage für 12 Flaschen. Somit sind wir hier bereits bei 10-12 Euro netto (11,90-14,28 brutto) nur für Kartonage plus Paketmarke. Hinzu kommt noch das Paketband, die Arbeitszeit für das ‘Zusammenbauen’ der Kartons, das Befüllen, das Paketband, die Etikettierung plus die Einlieferung ins Depot. Ein sehr grosser Akteur im Markt hatte im Herbst letzten Jahres in einer Weinfachzeitschrift geschrieben, dass sie ihre ‘Gestehungskosten’ je 12er Karton versendeter Wein bei 13-15 Euro sehen. Und das war VOR den seit Dezember erfolgten Preissteigerungen in der Logistikbranche.

Wie finanziert man das Ganze?

Gehe wir mal vom betriebswirtschaftlichen Normalfall aus, dass Sie als Händler/ Anbieter nicht je versendetes Paket Geld dazu tun möchten. Entweder Sie haben den Flaschenpreis im Online-Shop bereits kalkulatorisch derart hoch gesetzt, dass hier 1-1,50 Euro/ Flasche ‘Versandkosten’ inkludiert sind. Dann können Sie natürlich problemlos ‘Versandkostenfrei ab 12 Flaschen’ anbieten. In unserem Fall ist dies nicht möglich, da wir schwerpunktmäßig stationärer Fachhändler vor-Ort sind. Da kann ich den Kunden, der online bestellt und hier persönlich abholt schlecht mit überhöhten Preisen wegen ‘eingerechnetem Versand’ abschrecken. Somit bleibt uns hier nur die Möglichkeit, die Versandkosten zumindest weitgehend separat zu berechnen. Aktuell versuchen wir noch mit dem ‘Schwellenpreis’ € 9,90 je 12 Flaschen schmerzverzerrt über die Runden zu kommen, wohl wissend, dass auch dies mittelfristig nicht zu halten sein wird. ‘Versandkostenfrei’ versenden wir ab € 250,00 Euro.

Richtig rechnen!

Meine Bitte an Sie: lassen Sie sich nicht von ‘9,90 Versandkosten’ oder ‘Versandkostenfrei’ irritieren. Ich weiss, das ist schwer, mir geht es häufig genauso. Bitte betrachten Sie lieber die Gesamtsumme, die Sie zu entrichten haben. Freuen Sie sich lieber, dass der Flaschenpreis günstiger ist als das Sie ‘Versandkostenfrei’ bestellen konnten. Wir werden aufgrund der vielen treuen ‘vor-Ort’ Kunden auf keinen Fall die Versandkosten in erhöhten Flaschenpreise tarnen.

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