Ein Blick ins Elsass: Sophie und Julien Schaal

Der Elsässischen Weinwerbung gehört ein grosses Lob. Die Präsenz auf Messen wurde schon sehr früh durch digitale Formate ergänzt. Zu diesen digitalen Formaten wurde extra kleine Probeflaschen gefüllt und versendet. Somit hatte ich stets das Gefühl einigermaßen nah an dieser östlichsten Weinbauregion Frankreichs zu sein. An ihren Stärken und Schwächen. An ihrem Wandel. An den Auswirkungen der klimatischen Herausforderungen. Zugegeben: hier im Rheinland ist das Thema Elsass (noch) kein großes Thema in der Kundschaft. Wann bekommt man in hiesigen Restaurants schon mal Wein aus dem Elsass eingeschenkt? Wieviele verbringen tatsächlich einen Urlaub dort? Mit anderen Worten: die Bekanntheit, die diese Region in den 1970er/1980er Jahren hier in Deutschland hatte, ist deutlich verändert. Gut, diese Bekanntheit beruhte nicht selten auf dem ‚Edelzwicker‘, einer -häufig restsüßen- Cuvée aus diversen Rebsorten, lieblos gefüllt in Literflaschen. Lohnt sich ein Blick in die Region?
Das Land der Grand Crù Lagen
Die Geschichte des ‚Edelzwickers‘ einerseits… Andererseits war das Elsass aber auch stets eine Region, zu der wir Deutsche mit Bewunderung geschaut haben. Insbesondere, wenn es um das Thema Riesling geht. Lange bevor bei uns das Erste Gewächs/ Große Gewächs etabliert wurde, trumpfte das Elsass bereits mit monumentalen Riesling ‚Grand Crù‘ auf. Um die 15.500 Hektar sind im Elsass mit Wein bestockt, wovon Schätzungen zufolge 15-20% mit Riesling bestockt sind. Imposante 51 Grand Crù Lagen sind kartographiert, vom kleinen ‚Kanzlerberg‘ mit 3 Hektar (Gemarkung Bergheim) bis hin zum 80 Hektar umfassenden ‚Schlossberg‘ (Kientzheim).
Fun-fact: bisher gib es nur in 3 der 51 Grand-Crù Lagen einen ‚Pinot Noir Grand Crù‘ – und das erst seit 2022. Der Klimawandel macht auf vor dem Elsass nicht Halt…
Das Elsass ist primär: weiss
Im Elsass dominieren die Sorten Riesling, Pinot Gris und Gewürztraminer. Ergänzend finden wir Pinot Blanc, Muscat und Sylvaner. Einzig zugelassene rote Sorte ist der Pinot Noir. Beim Pinot Blanc ist interessant, dass hierzu auch der Auxerrois gezählt wird, eine seltene aber hoch interessante Sorte (wir nennen die Sorte in Deutschland auch ‚Gelber Burgunder‘). Betrachten wir das Thema Grand Crù, so finden wir hier fast ausschliesslich den Riesling, den Pinot Gris und den Gewürztraminer. Für mich als bekannten ‚Nicht-Fan‘ des Pinot Gris/ Grauen Burgunders ist das etwas seltsam: ist die DNA des Pinot Gris wirklich geeignet um in einem Grand Crù zu landen? Würden wir in Deutschland diese Rebsorte derart exponieren? Ich glaube: nein. Dennoch muss ich anerkennen: es gibt grandiose Pinot Gris im Elsass! Hier würde ich aber behaupten: es liegt weniger an der Rebsorte selbst, vielmehr haben sich Generationen von Elsässer Winzern akribisch darum bemüht, das Optimale aus dieser Rebsorte zu machen.
Das Elsass und seine Böden
Die Vogesen mit ihrer vulkanologischen Vergangenheit, dazu die Verwerfungen im Oberrheingraben: gefühlt deckt das Elsass sämtliche Bodenstrukturen und Gesteinsformationen ab. Was wiederum für eine unglaubliche sensorische Vielfalt in den Weinen sorgt. ‚Schoenenbourg‘ mit seinen Gipsböden, die extrem Wasser speichern können. ‚Schlossberg‘ und ‚Sommerberg‘ hingegen haben mit ihrer Gneis/ Granitstruktur eher gut durchlässige, nährstoffarme und leicht saure Böden. Schiefer finden wir im ‚Kastelberg‘, Tuff und Grauwacke in den ‚Rangen de Thann‘. Kalkstein ist in im ‚Kirchberg de Barr‘ und im ‚Rosacker‘ typisch und speichert Wasser und Nährstoffe und Mineralien. Geradezu ’salzig‘ wirken hier die Weine. Und dazwischen gibt es eine schier unfassbare Menge an Konglomeratböden, die hinter jeder Rebzeile neue Nuancen offenbaren.
Das Elsass im Wandel
Genau wie die badische Weinbauregion, steht auch das Elsass vor einer großen Herausforderung: es wird zunehmend wärmer und trockener. Schwer aufgeladene, träge Wolken kommen zum Teil nicht mehr über die Vogesen und regnen lieber westlich der Gebirgsflanke ab. Als ich Mitte Juli anlässlich der Tour de France in Bussang war, war die Quelle der Mosel ein unscheinbares Rinnsaal. Gleichzeitig war es die vierte Hitzewelle über 35° Celsius. Trotz dieser theoretisch ungünstigen Bedingungen für den Weinbau machen insbesondere die jungen Winzer praktisch grandiose Weine. Ich vermute, es ist ein ‚learning-by-doing‘: seit dem Jahr 2003 werden wir konsequent mit heissen und zu trockenen Bedingungen konfrontiert. Somit konnte – oder besser gesagt: musste man – Erfahrungen sammeln, um diese neue Rahmenbedingungen zu gestalten. Das fängt beim Rebschnitt an, geht über die Bodenbearbeitung weiter und endet in der Analyse des Mostes, der je nach Nährstoffgehalt hin und wieder eine ‚Starthilfe‘ bei der Gärung benötigt.
Das Elsass hat: Geduld.
Was die Weine im Elsass so besonders und gut macht: sie kommen erst recht spät auf den Markt. Wenn immer möglich, gönnen die Winzer den Weinen einige Jahre Flaschenreife. Und das betrifft nicht nur die ‚Grand Crù‘. In Deutschland würden Kunden und Konsumenten auf die Barrikaden gehen, wenn man ihnen heute einen Grauburgunder oder Riesling aus dem Jahr 2020 in Glas schenken würde. Im Elsass ist das normal. Und das ist wunderbar! Die Weine verlieren zwar (etwas) ihre Primärfrucht, glänzen dafür aber Tiefe, Eleganz und Sekundäraromen. Das passt meines Erarchtens nicht nur zum Essen gut, sondern ist auch ’solo‘ ein wundervoller Genuss. Mein Appell: bitte von den Elsässern lernen!
Im Elsass sind: Sophie und Julien Schaal
Die Weine des jungen Winzerpaares beobachte ich nun im 3. Jahr. Anfangs fand ich die Weine interessant, aber noch nicht restlos überzeugend. Hier schienen zwei Winzern noch auf der Suche nach der richtigen Stilistik und der eigenen Handschrift. Das mag auch nicht verwundern: Sophie (Burgund) und Juilien (Elsass) lernten sich beide beim ‚winemaking‘ in Südafrika kennen. Erst seit wenigen Jahren verfügen sie über ein eigenes Weingut im Elsass, konnten sehr viele interessante Parzellen inklusive Grand-Crù-Lagen erwerben. Diese Weinberge muss man erst einmal Kennenlernen. Stichwort ‚Böden‘. Stichwort ‚Klima‘. Aber bereits mit dem Jahrgang 2024 gelang es den beiden jungen Leuten in die absolute Topp-Liga (mein subjektives Urteil) aufzusteigen. Die Weine absolut blitzsauber, sehr sortentypisch, sehr harmonisch. Es gibt hierbei eine ‚Arbeitsteilung‘: unter dem Label ‚Sophie Schaal‘ erscheinen die Basisweine wie Pinot Gris, Gewürztraminer, Pinot Noir und Riesling. Hier sind auch die Etiketten etwas moderner, sehr stylisch, ansprechend. Unter dem Label ‚Julien Schaal‘ werden die Grand Crù-Lagen vinifiziert, wobei der Schwerpunkt auf der Rebsorte Riesling liegt. Ich bin wirklich überwältigt, wie ‚lehrbuchmäßig‘ sich beim Riesling die unterschiedlichen Böden sensorisch im Gas wiederfinden. Mein glasklarer Appell: unbedingt die 3 Einzellagen gegeneinander probieren, idealerweise im Kreis von Freunden und Bekannten! Die Weine kosten zwar jeweils einen ‚Zwanni‘, aber das ist der Spass und die Genussfreude wert!
Aus der Linie ‚Sophie Schaal‘ weise ich auf den ‚Gentil‘ hin. Dieser ist so etwas wie ein ‚Edelzwicker‘ re-loaded. Also eine Cuvée. Um das (berüchtigte) Image des Edelzwicker zu verlassen, hat man sich geeinigt, dass ein ‚Gentil‘ zu mindestens 50% aus den ’noblen Sorten‘ des Elsass, namentlich Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer und Muscat bestehen muss. Der ‚Gentil‘ von Schaal besteht aus 50% Pinot Blanc (Mission nicht erfüllt…) und je 25% Pinot Gris und 25% Gewürztraminer. Macht 50% ’noble Sorten‘: Mission erfüllt! Mein Urteil: mega interessant!!!
Apropos ‚interessant‘: Interessanterweise sind die Verbindungen nach Südafrika nicht abgebrochen: noch heute vinifizieren die Beiden Weine in Südafrika. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Südhalbkugel! Die Weinlese in Südafrika findet zwischen Februar und April statt mit Schwerpunt im März :-) Aktuell haben wir die südafrikanischen ‚Schaal-Weine‘ leider (noch) nicht im Sortiment.
Hinweis: sämtliche Schaal-Weine stammen aus biologischem Anbau!





