Pinotage – hidden champion?

Wie kommt man auf die Idee, Pinotage könnte ein Geheimfavorit sein? Nun, Pinotage ist zunächst eine ‚Neuzüchtung‘ aus Pinot Noir und Cinsault. Wobei ‚Neuzüchtung‘ ein überholter Begriff ist, da die Rebsorte bereits 1925 an der Universität zu Stellenbosch/ Republik Südafrika gezüchtet wurde. Das ‚-tage‘ in Pinotage rührt übrigens daher, dass die Rebsorte Cinsault (= ein Kreuzungspartner) in Südafrika ‚Hermitage‘ genannt wurde.

Sensorisch finde ich gute Pinotage sehr nah am Pinot Noir. Insbesondere in den letzten 10-20 Jahren, wo nahezu weltweit der Pinot Noir/ Spätburgunder/ Blauburgunder mit immer höheren mittleren Temperaturen in der Reifezeit konfrontiert ist. Das macht die Pinot dichter, alkoholreicher, dunkler, fruchtiger – und somit rücken diese zunehmend an das sensorische Profil welches Pinotage seit Jahren stabil liefert.

Insbesondere Frankreich, hier zuvorderst das Burgund, leidet seit Jahren unter sehr schwankenden Erträgen beim Pinot Noir. Fröste, Hitze, heftige Hagelereignisse schlagen bei Menge und Qualität ins Kontor. Immerhin rund 44.000 Hektar sind in Frankreich mit Pinot Noir bestückt und machen nahezu 1/3 der weltweiten Anbaufläche aus. Allein im Burgund und in der Champagne (Pinot Noir für die Schaumweinproduktion!) sind es knapp 25.000 Hektar. Die Loire und das Elsass benötigen ihren Pinot Noir ebenso fast ausschließlich für die Prodution von Schaumwein (Crémant). Somit stelle ich mir die legitime Frage: woher sollen dann noch Trauben für normalen Pinot Noir in der Version ‚trockener Rotwein‘ stammen?

Woher nehmen?

Italien kultiviert auch Pinot Noir, braucht diesen jedoch auch für ‚Spumante‘ wie Trento DOC, Franciacorta & Co. Als ‚Rotwein‘ fällt mir spontan der Blauburgunder aus Südtirol ein. Neuseeland lese ich noch auf meiner Liste: ja, da habe ich schon einige sehr gute Pinot Noir verkosten dürfen. Australien soll über 6.000 Hektar verfügen – mir ist jedoch noch nie ein Pinot Noir ‚made in Australia‘ vor die Nase gekommen. Somit könnte Deutschland mit seinen ca. 10.000 Hektar eine zunehmend bedeutende Rolle einnehmen. Die Ahr sei hier genannt, Baden und natürlich die Südpfalz.

Hat Pinotage wirklich das Zeug zum Champion?

Vielleicht sollte man die Kirche im Dorf lassen: in Südafrika sind ca. 6.000 Hektar mit Pinotage bestückt. Das sind in etwa 5% der weltweiten Anbaufläche von Pinot Noir. Somit: der Tropfen auf den berühmten heissen Stein. Theoretisch. Denn: ziehen wir mal die ganzen Hektar an Pinot Noir ab, welche für Schaumwein verwendet werden, verändert sich das %-Verhältnis rapide.
Nun ist beim Pinotage auch nicht alles gold was glänzt. So ganz unkompliziert ist die Rebsorte im Anbau auch nicht. Zuviel Hitze fördert Noten von Lack und Aceton. Daher sind Standorte in Meeresnähe am ‚Kap der guten Hoffnung‘ ideal. Stellenbosch gilt hierbei als historische und qualitative Heimat der Sorte (siehe auch: Züchtung an der Universität zu Stellenbosch 1925). Granit-, Sandstein- und Schieferböden, kühlere Nächte durch die Bucht ‚False Bay‘ ergeben eine lange Vegetationsperiode. Das sorgt für dunkle, strukturierte Pinotages mit dunkler Beerenfrucht, Rauch und solidem, aber reifen Gerbstoffen.

Ziemlich burgundisch


Das Weingut Stellenrust liegt auf halber Strecke zwischen der Stadt Stellenbosch und der Küstenlinie der ‚False Bay‘. Obwohl bereits 1692 gegründet, ist es immer noch in Familienbesitz. Round-about 400 Hektar werden bewirtschaftet. Das Besondere: mit ‚Meadowland‘ engagiert sich Stellenrust auch in einer der größten und erfolgreichsten ‚black empowerment wineries‘.
Bisher hatten wir stets den ‚einfachen‘ Pinotage im Sortiment. Diesen fand ich aufgrund seiner gewissen Rustikalität wirklich schön. Jüngst habe ich jedoch die ‚Liga darüber‘ probiert – und dann gibt es leider, leider keinen Weg zurück mehr.
50 Jahre alte Rebstöcke, Handlese. Beimpft mit französischen Reinzuchthefen und zur Reifung 12-14 Monate in französischer Eiche gelagert. Das ist einfach nur: gut. Von der Stilistik sehr burgundisch, rauchige Pinot Nase, würzig-fruchtige Textur am Gaumen, dezente Holznote, süßlich-feines Tannin. Für unter € 20 die Flasche kommt hochkarätiges Burgunder-Feeling auf. Hätte ich den Wein blind nach Südafrika oder doch nach Frankreich verortet? Ich weiss es nicht, würde bei dieser Frage niemals meine Hand ins Feuer legen. Ergänzend vermute ich: es ist genau exakt so von den Weingutsbesitzern gewollt, dass die Weine recht französisch wirken. Bei einem Tasting in den Niederlanden präsentierte Inhaber Kobie van der Westhuizen Chenin Blanc, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinotage die zum Teil atemberaubend gut (weil elegant) waren.

‚Cornerstone‘ Pinotage Stellenbosch WO 2023 – Stellenrust (€17,90/ 750ml)

 

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