Pic Sant Loup: ein Hauch von ‚dicker Hose‘

Manchmal bedarf es etwas forensischer Suche, um einem Wein auf den Zahn zu fühlen. Nicht häufig liegt dies darin begründet, dass es ein 2. Label gibt um auf bestimmten Märkten keinen ‚Trouble‘ zu verursachen. Bspw. wenn in einem bestimmten Land ein Importeur eine Exklusive besitzt. Und er nicht möchte das Wein XY auf dem Markt auftaucht. Nicht selten kann es sogar sein, dass er Wein XY nicht selbst aktiv in diesem Land vertreibt, sondern nur das Weingut. Klingt komisch, ist aber in den Jahren meiner Tätigkeit ein bekanntes Phänomen…
Nun haben wir so einen Wein mit einem ‚Zweiten Label‘ – und ich muss ein wenig schmunzeln: ‚Imperium‘ und dann auch noch ‚Grande Réserve‘. Kleiner und bescheidener geht’s wohl nicht…
Die Genossenschaft ‚Cellier du Pic‘ in Assas liegt nur rund 10 Kilometer vom Gebirge Pic-Saint-Loup entfernt. Assas? Pic-Saint-Loup? Wir beamen uns kurz in den Südwesten Frankreichs und wandern gedanklich rund 20 Kilometer in nördlich in Richtung Berge. Et Voilà – nous sommes arrivé! In der AOP Pic-Saint-Loup findet man mega spannende Weine. Und das liegt vor Allem an ihm, dem Syrah! Während in benachbarten AOP der Syrah meistens nur als Ergänzung für Grenache, Carignan & Co spielt, muss die Rebsorte im Pic-Saint-Loup mindestens 50% Anteil ausmachen. Und das schmeckt man! Und da Syrah eine dermaßen tolle Rebsorte ist, warum nicht gleich reinsortig im ‚Imperium‘ ausbauen? De facto ist es meiner Erfahrung nach leider so, das reinsortige Syrah wirklich schwer zu finden sind. Und damit meine ich nicht die Shiraz aus Australien, die für meinen Geschmack über das Ziel hinaus schießen.
Für das ‚Grande Réserve‘ beim ‚Imperium‘ kann man sich übrigens nix kaufen: Das offizielle Spezifikationsheft der IGP Pays d’Oc regelt als ergänzende Angabe primär die Nennung eines oder mehrerer Rebsorten; eine geschützte oder definierte Bezeichnung „Grande Réserve“ ist darin nicht vorgesehen. Es gibt also nicht – wie sonst üblich Anforderungen an einen Hektarhöchstertrag, eine Mindestreifezeit oder sonstiges.
Somit muss man sich schlichtweg damit zufrieden geben, dass dies ein wirklich guter Syrah ist. Fleischig, Noten von Johannisbeere und Cassis, etwas Kirsche. Neben den leicht blumigen Noten (Veilchen?) glaube ich auch einen Hauch von Himbeere zu erkennen. Etwas Schoko- und Röstaromen durch den Ausbau im Eichenfass. Vollmundig, fein, elegant.
‚Imperium‘ Shiraz Grande Réserve IGP 2025 – Cellier du Pic (€ 8,90/ 750ml Flasche)