Die Kunst des ‘Nichtstun’
Wobei: dies stimmt so nicht ganz. Bevor das ‘Nichtstun’ beginnen konnte, war der Kraftakt in der Steillage notwendig. Und Steillage bedeutet Bremm. Und Bremm bedeutet: Calmont. Da bekommt man schon beim Anblick auf Google-Maps Schweissausbrüche…
Nur wer perfektes Traubengut erntet, der kann sich auf eine (Zeit-) Reise begeben, deren Ausgang nicht wirklich vorhersehbar ist. Der Most durfte im Keller das machen, was er wollte. Spontan gären. Also ein Gären nach Lust-und-Laune. Keine Steuerung der Gärungstemperatur, keine Zugabe von Hefen. Für die Franzens bedeutetet dies einfach nur: warten. Erst nach 396 Tagen stotterte der Gärungsmotor und quittierte dann erschöpft den Dienst. Da war aber immer noch ‘Sprit im Tank’, sprich der Wein hatte noch Restzucker, aber die Hefe wollte und konnte schlicht nicht mehr. Oder beides.
So präsentiert sich dieser Wein als feinherber Riesling, definitiv nicht trocken, aber weit davon entfernt in eine ‘Mosel-Spätlese’ abzudriften. Subtile Fruchtnoten, zärtlich, zugleich aber auch Diva voller Würze. Stetig verändert sich dieser Wein im Glas – er nimmt die Trinkerschaft mit auf eine lebhafte Reise durch die schiefrigen Steilhänge und die Weinbaustilistik der Mosel.
Auch wenn dieser Wein auf den ersten Blick als 2018er fast zu jung für die Rubrik ‘Rarität’ wirkt: dieser Wein wird so nie wieder reproduziert werden. Folgende Jahrgänge werden eine andere Geschichte im Keller schreiben – ob dann 396 Tage, 420 oder nur 298 Tage gegoren wird, wer weiss das schon.

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