Grillo – oder: ich war mal ein Marsala…

Die Rebsorte Grillo wird fast ausschließlich im Südwesten Siziliens angebaut. Trapani, Menfi und eben: Marsala.
Marsala als Weintypus (fortified Likörwein) ist leider seit Jahrzehnten im Niedergang. Die Hochzeiten waren im 18./19. Jahrhundert, als John Woodhouse eine Alternative für Sherry und Portwein suchte. Die Engländer hatten zu der Zeit wohl einen ‚beef‘ mit den Portugiesen und somit musste alternativ produziert werden. Idealerweise in Meeresnähe mit Hafen, um das Zeug verschippern zu können. Heute fragt nahezu niemand mehr nach ‚Marsala‘ als Wein-Spezialität, höchstens als Kochzutat. Eigentlich schade!
Oder auch wiederum nicht?
Die Winzer mussten lernen aus der Rebsorte ‚Grillo‘ etwas Neues und Eigenständiges zu machen. Einen trocknen Weisswein etwa?
Die Winzer mussten lernen aus der Rebsorte ‚Grillo‘ etwas Neues und Eigenständiges zu machen. Einen trocknen Weisswein etwa?
Zugegeben: die Qualitätsoffensive begann erst vor rund 20-25 Jahren. Waren lange noch die roten Sorten Siziliens, insbesondere der Nero d’Avola, im Fokus der Weintrinker, ist um Grillo, Inzolia und Cattaratto in den letzen Jahren geradezu ein ‚Hype‘ entstanden. Grillo als Rebsorte ist eine Kreuzung aus Cattaratto und Moscato d’Alessandria. Er ergibt robuste, würzige Weine mit einem dezenten Mandelaroma einerseits, hat aber auch eine feine und dezente Frucht. Als Essensbegleiter nahezu ein Allround-Genie. Und was man nicht unterschätzen darf: Grillo kann brutal altern. Ich habe schon 15-20 Jahre alte Weine probiert, die 1a da standen und ein wahrer Genuss waren.
Der ‚Sogno del Sud‘ der Gebrüder Biscardo stammt aus den Weinbergen rund um den Ort Gibellina in der Provinz Trapani. Gibellina wurde im Januar 1968 beim grossen Erdbeben im Belice-Tal komplett zerstört. Imposant ist das Kunstwerk ‚Cretto‘ von Alberto Burri, welches 300*400 Meter (!) misst
Sogno del Sud Grillo Sicilia DOC 2024 – Bio – Baglio Gibellina